© Andreas Minke 2015
Günther Böttjer zimmerte 31 Jahre Holzvögel für die Schützen / Jetzt folgen Olaf Kühn und Karl-Heinz Tietjen Die Adlerbauer von Meyenburg Gabriela Keller 20.06.2015 Der Vogel hat alle Viere von sich gestreckt. So als wolle er sich ergeben. Doch das wird dem Adler nichts nützen. Sein Schicksal ist besiegelt. Beim 124. Meyenburger Schützenfest schlägt dem Adler am Sonntag, 21. Juni, das letzte Stündlein. Schuss für Schuss werden die Büchsen der Meyenburger Schützen ihn in mehrere Stücke zerlegen. Olaf Kühn legt letzte Hand an den Königsadler, Karl-Heinz Tietjen (links) und Günther Böttjer halten den Holzvogel fest. Dessen letztes Stündchen schlägt am Sonntag beim Adlerschießen auf dem Schützenfest. GKE· (Gabriela Keller) Den neuen Meyenburger Königsmacher haben erstmals Olaf Kühn und Karl-Heinz Tietjen gebaut. Ebenso wie die kleineren Geschwister des großen Vogels: den Damen-, Jugend- und Kinderadler. Teile mit Schablonen aussägen, dübeln, bemalen und zusammenstecken – Monate haben die beiden Vereinsmitglieder im Keller gewerkelt. Allein der Hauptadler besteht aus 20 Einzelteilen: Schwanz, Schenkel mit Zepter und Reichsapfel, Flügel mit Fähnchen, Rumpf. Dazu Hals, Kopf und Krone in doppelter Ausführung. Nicht zu vergessen die zwei Ringe, die der Adler rechts und links im Schnabel trägt. Kühn und Tietjen ging der Bau ihrer ersten Holzvögel flott von der Hand. Als gelernte Tischler sind beide fit in der Arbeit mit Holz. „Für die Adler haben wir uns extra einen Spezial-Bohrtisch angefertigt“, erzählt Kühn. Ihre Vögel sind streng nach den seit 2012 gültigen neuen Richtlinien des Deutschen Schützenbundes für „Vogelschießstände“ gebaut. Aus welchem Holz ein Adler beschaffen sein muss, ist dort bis hin zur Materialstärke genau geregelt. Günther Böttjer mit dem Rumpf seines ersten Adlers von 1983. GKE (Gabriela Keller) „Die Ziele müssen aus astfreiem, weichem Holz (Tanne-, Fichten-, Pappel- oder Balsaholz) sowie Sperr- und Balsaholz bei der Verwendung von Luftdruck-, Federdruck und CO2-Büchsen gefertigt sein und dürfen keine Metallteile enthalten“, heißt es in der Richtlinie. Es geht um Sicherheit. „Weiches Holz soll Abpraller verhindern“, erklärt der Meyenburger Schützenverein-Vorsitzende Werner Röcker. Die Meyenburger schwören schon seit Jahren auf Tanne und Fichte. Seit Jahrzehnten unverändert ist die Form ihres Adlers. Das Modell, weiß Röcker, gebe es auf jeden Fall seit Kriegsende. Tradition hat auch die Farbe: In Silber und Gold muss er schimmern. Für Günther Böttjer ist es keine Frage: „Unser Adler ist der Schönste.“ Über 30 Jahre baute der 76-Jährige die Vögel der Meyenburger Schützen. 1983 fertigte der gelernte Tischler seinen ersten Adler – und holte ihn im selben Jahr beim Schützenfest von der Stange. Den Rumpf, den er damals als Königstrophäe abschoss, hält er bis heute in Ehren. Früher zog sich das Königsschießen in Meyenburg oft über Stunden. „Oft fiel der Adler erst gegen 21 Uhr“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende und amtierende Schützenkönig Werner Röcker. Heute können die Meyenburger dem neuen König gegen 18 Uhr gratulieren. Dass der Vogel schneller fällt, haben sie dem Einfallsreichtum von Günther Böttjer zu verdanken. Der sägte seinem ersten Adler 1983 kurzerhand einen Keil, der nur von etwas Holz gehalten wurde, in den Rumpf. Seitdem haben es die Schützen leichter. 240 Holzadler hat Böttjer, der seit 1954 dem Verein angehört, nach eigenen Angaben in 31 Jahren gebaut. Nicht nur für die eigenen Schützenbrüder. Auch für befreundete Schützenvereine der Meyenburger wie die Bad Harzburger zimmerte er Vögel. Der nach der Wende neu gegründete Schützenverein im ostdeutschen Porep/Nettelbeck erhielt von Böttjer seinen ersten Adler. Für das 124. Meyenburger Schützenfest hat er sein Handwerk jetzt in neue Hände abgegeben. „31 Jahre Adlerbau, das reicht“, meint der Meyenburger. Seine Nachfolger Olaf Kühn und Karl-Heinz Tietjen werden neben den vier Adlern für das Schützenfest in den kommenden Monaten noch drei weitere Holzvögel für das Herbstschießen bauen.
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